Helen Hefter M. Arch. Georg Hefter Dipl.-Ing. Architekt
und Zimmerer -
Ökologisches Bauen und Holzbau im Raum Witzenhausen, Kassel und
Göttingen
Alte Handwerkstechniken lebendig
Sanierung und Neubau mit trocken gelöschtem Kalkputz
am Beispiel Gut Marzhausen
In Zusammenarbeit mit Martin Trebing, Maler- und Lackierermeister, Restaurator im Handwerk, staatl. gepr. Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerhaltung
Vortrag anläßlich der 21. Fachtagung 'Dialog Handwerk und Denkmalpflege'
am 22.05.2026 in der Propstei Johannesberg
Auf Gut Marzhausen wurden im Rahmen der Modernisierung das Verwalterhaus saniert und umgebaut und der ehemalige Rinderstall durch einen Neubau ersetzt.
Der Artikel zeigt den Ausbau und Modernisierung der Hofanlage.
Um die neuen Gebäude und Gebäudeteile in das denkmalgeschützte Ensemble zu integrieren wurde ein handwerklich hergestellter Kalkputz (Heißkalkmörtel) gewählt.
Die Materialität und Oberflächenstruktur harmoniert mit dem Bestand und hat eine eigene Ästhetik, die sich deutlich von Industrieprodukten unterscheidet.
Zudem zeichnet er sich durch seine hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften und der Langlebigkeit aus.
Durch die unterschiedliche Oberflächengestaltung des Kalkputzes setzen sich die Gebäude und Gebäudeteile voneinander ab.
Der Rinderstall wurde mit einem Kratzputz versehen, die Flächen am Verwalterhaus sind glatt verputzt.
Ecken und Sockel wurden hervorgehoben.
Der Neubau des Rinderstalls und das Erdgeschoss des sanierten Verwalterhauses wurde in einschaliger Mauerwerksbauweise mit Hochlochziegeln erstellt.
Aufgrund der Anforderungen dieses Baumaterials wurde der Kalkputz als Leichtputz hergestellt mit einem Bimszuschlag versehen.
Im Bereich der bestehenden Fachwerkkonstruktion des Verwalterhauses wurden vorab alle losen Putzflächen entfernt und schadhafte Gefache repariert.
Die Zutaten für den Kalkputz (Sand und Branntkalk) wurden vor Ort in einem Container lagenweise geschichtet.
Die fertige Mischung kann nach dem Löschen abgestochen werden und unter Wasserzugabe maschinell gemischt und aufgetragen werden.
Branntkalk muss „gelöscht“ werden, bevor er als Kalkputz oder Mörtel verwendet werden kann.
Dabei reagiert er mit Wasser zu Calciumhydroxid.
Ddie Reaktion ist stark exotherm, es entwickelt sich viel Wärme.
Die Wärmebildkamera hat Werte um die 160 Grad Celsius gemessen.
Vor der Verarbeitung wurden Musterflächen angelegt, die teilweise auch mit einem Anstrich versehen wurden.
Es wurde entschieden, im Bereich des Mauerwerks die natürliche Farbigkeit des Putzes zu belassen und die
einzelnen Baukörper allein durch eine unterschiedliche Oberflächenstrukturierung voneinander abzusetzen.
Gut ablesbar auf der Abbildung ist der Aufbau des Putzes mit Vorspritzer, Unterputz, Oberputz und Anstrich.
Als erste Lage wird ein Vorspritzer aufgebracht, der die Haftung zwischen Mauerwerk bzw. Gefachen und dem Putz herstellt.
Die nächste Lage, der Unterputz, wurde mit Jutesäcken vor zu schnellem Austrocknen geschützt.
Fensterlaibungen wurden beim Neubau Rinderstall mit einer glatten Oberflächenstruktur versehen.
Dehnfugen wurden bei Wohnungs- und Gebäudetrennwänden erstellt und später farbneutral abgedeckt.
Der fertige Oberputz am Rinderstall mit der Kratzputz-Struktur. Die Gebäudeecken wurden in einem weiteren Arbeitsgang angelegt.
Die stilisierten Gebäudeecken erinnern an die Sandsteineinfassung des Vorgängerbaus.
Die farbliche Akzentuierung erfolgt nur aufgrund der unterschiedlichen Oberflächengestaltung, beide Flächen sind aus demselben Material ohne Anstrich.